Stress - Erkrankungen


Dauerstress lässt das Gehirn schrumpfen

• Hirn-Atrophie
• Amygdala-Überstimmulierung
• Alzheimer
• Fehlfunktionen im orbitalen Cortex präfrontalis und Nucleus accumbens
• Verminderte Glückshormon-Produktion
• Parkinson

Stress ist kein neuzeitliches Phännomen aus hochindustrialisierten und durchdigitalisierten Beschleunigungsgesellschaften, und er ist auch nicht per se etwas Schädliches. Ohne Stress wären wir längst ausgestorben. Gefählich wird er erst, wenn er von einem „hin und wieder“ zu einem Dauerzustand wird.
Schon unsere anthropologischen Vorfahren, die sogenannten Hominiden wie homo erectus und homo habilis, kannten Stress. Wenn sie beispielsweise bei der Nahrungssuche mit Fress- und Todfeinden konfrontiert wurden, lief in Millisekundenschnelle ein biochemischer Staffellauf der alarmierend-energetisierenden Art ab, der sich vom Hirn bis in die letzten kapillaren Verästelungen des Körpers hinzog. Der Hypothalamus produzierte die Angst, Stress und Aggressivität stimulierenden Hormone CRH und Vasopressin, die die Amygdala- Zellen in Aufregung versetzten und in der Hypophyse die Ausschüttung von ACTH provozierten. Der schoss über den Blutkreislauf in die Nebennieren, wo reichlich Cortisol, Dopamin und Adrenalin diffundiert wurden. Herzschlag, Puls und Blutdruck schossen in die Höhe, die Atmung beschleunigte, Zucker- und Sauerstoffreiches Blut durchflutete die Skelettmuskulatur, die Sinne schärften sich, zeitgleich wurde die Magen-Darm-Tätigkeit heruntergefahren, Hungergefühle, Schmerzempfinden und Sexualtrieb unterdrückt. Kurzum: Der Körper wurde auf energetische Höchstleistung programmiert. Fight or flight, Kampf oder Flucht, hieß in solchen Stress-Situationen die Überlebensdevise. Sobald die Gefahr vorbei war, normalisierten sich die Körperfunktionen wieder. Alles wurde sozusagen wieder auf RESET gestellt.
Die damals dem nackten Überleben dienenden Stressreaktionen laufen auch 2 Millionen Evolutionsjahre später bei homo SAPiens, homo googelis und homo smartphonis ähnlich automatistisch ab.
Wesentlicher Unterschied zu dermal einst: Durch den Dauerstress, unter dem heute immer mehr Menschen leiden – RESET-Möglichkeiten wie Sport, Entspannungsübungen etc. werden oft sträflich vernachlässigt –, verändern sich auch dauerhaft die hormonellen, immunologischen und andere biochemische Prozesse, was letztlich zu schwerwiegenden Krankheiten führt.

Hirn-Atrophie (Hirnschrumpfung)
Forschungsergebnisse der amerikanischen Top-Universitäten Stanford, Princeton und Yale zeigen, dass Dauerstress
  • die neuronalen Schaltmuster in der Amygdala verändert. Das Angstentstehungs- und Gefühlsbewertungs-Zentrum wird ständig überstimuliert. Stress-Kranke haben deshalb häufiger Angst- und Panikattacken.

  • zu Alzheimer-begünstigenden Funktionsstörungen und Zell-Verkümmerungen im Hippocampus führt (der spielt eine wichtige Rolle beim Lernen und bei der Speicherung und Koordination von Kurz- und Langzeit-Gedächtnis-Inhalten. Zum Langzeit-Gedächtnis gehört auch das autobiografische bzw. Persönlichkeits-Gedächtnis).

  • Fehlfunktionen im orbitalen Cortex präfrontalis (gehört zum Motivationsschaltkreis und ist für zielgerichtetes Verhalten und die Regulation von Angst und Aggression mitverantwortlich) und im Nucleus accumbens auslöst (dort liegt die Basis für jede Art von Sucht: nach Drogen, Spiel, Sex, Geld und dort entstehen unsere Glücks- und Lustgefühle)

  • die Produktion von Serotonin vermindert. Dieser als Neurotransmitter und Gewebshormon aktive Botenstoff beeinflusst maßgeblich Wohlbefinden, Schmerzempfindlichkeit und die Fähigkeit zu lösungsorientiertem Denken und Handeln. Neurobiologen und Stressforscher wie Professor Gerald Hüther konnten nachweisen, dass nicht nur unser Wohlbefinden mit dem Serotoninspiegel steigt, vielmehr werden wir auch von unseren Artgenossen unbewusst als Führungspersönlichkeit wahrgenommen. Serotonin macht also zugleich glücklich und erfolgreich.

  • die Entstehung von Morbus Parkinson fördert. Psychischer Stress führt zur vermehrten Bildung von freien Radikalen (aggressive Moleküle, auch als reaktive Sauerstoffspezies: ROS, bezeichnet) und damit zu oxidativem Stress, der nachweislich zur Zerstörung dopaminerger Zellen in der Substantia nigra führt. Dopaminmangel ist die Hauptursache der Parkinson‘schen Schüttellähmung.
    Dauerstress kann die gesamte Hirnmasse schrumpfen lassen.
Weitere Stress-Erkrankungen:
  • chronische Schlafstörungen. Nachts tauchen die kleinen habe-ich-heute-dies-und-daswirklich-perfekt-gemacht-und-hoffentlich-schaffe-ich-morgen …-Monster auf.

  • Chronische Kopfschmerzen = lang andauernde oder oft wiederkehrende Kopfschmerzen.

  • Tinnitus = unangenehme Dauergeräusche im Ohr ohne äußeren Ursprung. (Vom Lat. tinnire: klingeln.)

  • Immunschwäche (= häufige Infekte). Bei Dauerstress leidet sowohl die unspezifische Immunabwehr – die uns mit ihrem Heer an Killer- und Fresszellen vor Bakterien und Viren aller Art schützt – als auch die spezifische Immunabwehr, deren Zellen nur auf bestimmte Fremdlinge reagieren.

  • Magen-Darm-Erkrankungen, z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Ulcus pepticum.

  • Herzrhythmusstörungen. Das Herz gerät aus dem Takt. Solche mit Schwindelgefühlen und/oder Brustschmerzen verbundenen Arrhythmien werden oft als Herzrasen oder „Herzstolpern“ empfunden.

  • Diabetes mellitus Typ 2, vulgo: Altersdiabetes: Körperzellen sind resistent gegenüber dem blutzuckerregulierenden Hormon Insulin und/oder die Langerhans‘schen Inselzellen der Bauchspeicheldrüse produzieren kein Insulin mehr. Folge: erhöhter Zuckergehalt im Blutkreislauf, Schädigung der Blutgefäße, Arteriosklerose, Durchblutungsstörungen, die zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen können.
    Dass psychischer Stress aufgrund seiner molekular-biologischen Ereignisfolgen (z. B. arteriosklerotische Ablagerungen wie bei Diabetes, Verstopfung oder Platzen von Blutgefäßen) Herzinfarkt und Schlaganfall auslösen kann, wurde jüngst in verschiedenen empirischen Untersuchungen nachgewiesen. Unter anderem in einer Studie der University of Cambridge, an der 30.000 Personen beteiligt waren.

  • Erektile Dysfunktion. Bei Dauerstress schießt die Hypophyse verstärkt Prolaktin in den Blutkreislauf. Prolaktin-Überschuss ist beim Mann fast immer mit einem Testosteron-Mangel, Libido- und Erektionsstörungen verbunden. Letztere auch infolge einer direkten Schwellkörper-Funktionsstörung.
Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) hat Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt, weil er bei über 80 Prozent aller Krankheiten eine Schlüsselrolle spielt.