Neurodermitis-Behandlung


Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis, auch als atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem bezeichnet, ist eine vererbte Autoimmunkrankheit (autosomal-dominante Erbkrankheit), die durch chronische oder chronisch immer wieder auftretende, nicht-ansteckende Hautveränderungen gekennzeichnet ist. Atopisch bedeutet in diesem Zusammenhang so viel wie fehl am Platz und drückt aus, dass die Neurodermitis-Schübe auch ohne erkennbare äußere Ursache, scheinbar aus dem Nichts heraus, auftreten können.
Weil exogene Faktoren als Auslöser der Krankheit eine zentrale Rolle spielen, sprechen wir in unserer Klinik auch von epigenetischer Dermatitis oder epigenetischem Ekzem.
Vererbt werden kann nicht die Krankheit selbst, sondern nur die genetische Prädisposition, die „Anfälligkeit“ dafür. So haben Kinder, deren Eltern unter einer Neurodermitis oder einer Allergie leiden, ebenfalls ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens eine Neurodermitis zu entwickeln.
Wenn die Neurodermitis schon im Kindesalter ausbricht und sich über Jahrzehnte hinzieht, spricht man etwas salopp von einer „Neurodermitis-Karriere“.

Allein in Deutschland sind etwa 6 Millionen Menschen an Neurodermitis erkrankt.

Vielfältige Auslösefaktoren

Neurodermitis kann durch eine Vielzahl unterschiedlichster Stressoren ausgelöst werden. Was bei einem „Anfälligen“ zum Schub führt, kann für den anderen völlig unproblematisch sein.



Während substanz-spezifische Krankheits-Auslöser (z. B. bestimmte Nahrungsmittelbestandteile oder Pollen) durch immunologische und biochemische Untersuchungen relativ leicht zu bestimmen sind, ist der oder sind die psychischen oder psychosozialen Auslösefaktoren (z. B. Beziehungs- oder berufliche Probleme) aufgrund ihres nicht selten unbewussten Einflusses schwerer zu erfassen.

Betrifft die Neurodermitis auch das Gesicht, können die Betroffenen unter der Beeinträchtigung ihres Aussehens leiden, was zu einer Verschlechterung der psychosomatischen Gesamtverfassung, inklusive vermindertem Selbstwertgefühl, oft mit depressiver Färbung führen kann, was wiederum negativ auf die Krankheit zurückwirkt.

Einerseits kann Neurodermitis also durch psychischen Stress ausgelöst werden, andererseits hat die Krankheit negativen Einfluss auf die Psyche und die Gesamtverfassung des Betroffenen. Er zirkuliert sozusagen in einem negativen Regelkreis:
Psychischer Stressor › Neurodermitis-Schub › schlechtere Gesamtverfassung › Intensivierung des psychischen Stressors › Verstärkung der Neurodermitis usw. Die Grafik zeigt die Zusammenhänge in vereinfachter Form.



Genetische Ätiologie

Bei Neurodermitis ist aufgrund eines Gen-Defekts in den Hautzellen die epidermale Barriere nur ungenügend ausgebildet. Die epidermale Barriere besteht aus einem Film aus Talg, Wasser, Schweiß und Substanzen der Hornschicht, der die Haut normalerweise vor dem Austrocknen, vor Viren und Bakterien und anderen Einflüssen schützt.

Die Abwehrzellen der Haut reagieren bei Neurodermitikern auf bestimmte Auslösereize mit einer vermehrten Produktion von Entzündungsstoffen (Histamine), mit denen die körperfremden Substanzen (z. B. unverträgliche Lebensmittelbestandteile) bekämpft werden sollen. Das Immunsystem spielt sozusagen sinnvoll verrückt: Es versucht den genetisch bedingten Mangel des Proteins Filaggrin und die darauf zurückzuführende epidermale Unterfunktion durch eine Histamin-Überfunktion zu kompensieren und löst dadurch die Neurodermitis-Symptome aus.

Zu den Hauptsymptomen gehören:

• rote, schuppende, manchmal auch nässende Ekzeme, die sich über den ganzen Körper ausbreiten können
• chronische Entzündungen
• trockene, rissige Haut
• starker Juckreiz

Als Nebensymptome können allergische Erkrankungen wie Asthma und Heuschnupfen auftreten.
Neurodermitis hat ein individuelles, vom Lebensalter abhängiges Erscheinungsbild.

Ist Neurodermitis heilbar?

Die Schulmedizin betrachtet Neurodermitis wegen des Erbfaktors als "unheilbar" und bekämpft oft nur die Krankheitssymptome, die eigentlichen Ursachen jedoch (Krankheits-Ätiologie) bleiben geflissentlich außen vor, weil ihre Ergründung sowohl den Patienten als auch den Arzt viel Mühe und Arbeit kostet.

Ohne Kenntnis der immunogenetischen, psychobiologischen und anderen Auslösefaktoren und ihren Wechselwirkungen ist keine wirksame Neurodermitis-Therapie und keine dauerhafte Symptom-Freiheit realisierbar.
Neurodermitis-Behandlung in der Dr. Alram-Klinik

Da es sich bei Neurodermitis um ein multifaktorielles Krankheitsgeschehen handelt, ist eine Monotherapie meist wenig hilfreich. Ein ganzheitlicher, mehrdimensionaler Behandlungsansatz, der in unserer Klinik seit vielen Jahren praktiziert wird, verspricht wie bei vielen anderen Erkrankungen auch, den größten Erfolg.

Dazu gehören:

• eine ausführliche Anamnese
• Analyse zentraler immunogenetischer und biochemischer Parameter
• Exploration des psychischen Stressors, der den neurodermitischen Schub ausgelöst haben könnte.
• Grundsätzlich empfehlen wir unseren Patienten, ein „Neurodermitis-Tagebuch“ zu führen, in dem die Situationen und Umstände notiert werden, die einen „Schub“ bewirkt haben könnten.

Auf der Basis der so gewonnenen Informationen entwickeln wir eine multidimensionale Behandlungsstrategie, die ganz auf die Neurodermitis-Spezifik des jeweiligen Patienten zugeschnitten ist.

Aktuelle Forschungsergebnisse

Forscher des renommierten Helmholtz-Zentrums haben möglicherweise das Gen gefunden, dessen Defekt in den Hautzellen zu Neurodermitis führt. Es handelt sich um ein Gen, das normalerweise das Protein Filaggrin produziert, das am Verhornungsprozess der äußeren Hautschicht (Epidermis) maßgeblich beteiligt ist. Wird Filaggrin aufgrund des Gendefekts vermindert oder überhaupt nicht gebildet, ist die natürliche Verhornung gestört und die Schutzfunktion der Haut eingeschränkt. Ein fehlerhafter Strukturaufbau dieses Proteins erhöht das Risiko, an Neurodermitis zu erkranken, um mehr als 300 %, wie Elke Rodriguez, Thomas Illig, Stephan Weidinger in ihrem Fachartikel: Filaggrin loss-of-function mutations and association with allergic diseases, ausführen. (Pharmacogenomics 2008; 9:399-413)

Dem Mangel an Filaggrin kann möglicherweise durch Hyperforin – dieses Phytopharmakon wird aus der Johanniskraut-Pflanze extrahiert – enthaltene Salben oder Emulsionen entgegengewirkt werden. Denkbar wäre auch, das defekte Gen in Zukunft mittels somatischer Gentherapie zu reparieren bzw. durch ein funktionsfähiges zu ersetzen.

Hilfreiche Links:

Bundesverband Neurodermitiskranker in Deutschland e. V.
Deutscher Neurodermitis Bund e. V.
Die Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V.